Der Cerrado: Die Heimat des Baru-Baums

Der Cerrado ist eine riesige Savanne im Herzen Brasiliens und die Heimat der Baru-Nuss. Hier erfährst du, warum er umgekehrter Wald heißt, warum er bedroht ist und was Wildsammlung damit zu tun hat.

Der Cerrado im Abendlicht: Savanne mit Gräsern, roter Erde, Bäumen, Termitenhügeln und Tafelbergen (KI-generiert)

Hast du schon mal vom Cerrado in Brasilien gehört? Nein? Gut, ging mir genauso. Der Cerrado ist eine riesige Savanne in Brasilien, die fast ein Viertel des Landes ausmacht.1,2 Als ich im November 2025 das erste Mal die Baru-Nuss probiert hatte, hat mir Flo (Gründer von KAMA MUTA) ganz begeistert erzählt, dass diese Nuss aus dem Cerrado hier in Deutschland noch neu ist und wir sie herbringen sollten. Mein verwirrter Blick hat dann dazu geführt, dass ich ausführlichst über den Cerrado, die Heimat unserer Baru-Nüsse, aufgeklärt wurde. Wenn du jetzt genauso neugierig geworden bist, wo dein Lieblingssnack herkommt, dann lies unbedingt weiter.

Was ist der Cerrado?

Wie schon erwähnt, ist der Cerrado eine riesige Savanne im Herzen Brasiliens und mit circa zwei Millionen Quadratkilometern über 5 Mal so groß wie Deutschland.1,2 Geprägt ist die Landschaft vom Wechsel aus Trocken- und Regenzeit. Dadurch entsteht eine offene, lichte Landschaft mit vielen Gräsern, Sträuchern und einigen knorrigen Bäumen. Oft wird der Cerrado auch als „umgekehrter Wald“ bezeichnet, denn in der Hochebene ist kein grünes Blätterdach wie im Regenwald außenrum zu finden. Und das, obwohl die meisten, mich eingeschlossen, bei Brasilien wohl erst mal an den Regenwald rund um den Amazonas denken. Der Cerrado ist aber nur zur Regenzeit grün und saftig, während er in der Trockenzeit von trockener, offener Landschaft mit Termitenhügeln und gold-roter Erde geprägt ist.

Was den Cerrado ebenso besonders macht, ist, dass er zu einem der Biodiversitäts-Hotspots zählt. Das heißt, dort sind zum einen viele Pflanzenarten vertreten, die nur dort zu finden sind, und gleichzeitig ist das Gebiet besonders bedroht, weil schon ein großer Teil der ursprünglichen Natur verloren ist; aber dazu später mehr.3 Unter den 36 Hotspots, die es gibt, ist der Cerrado übrigens die einzige Savanne.3

Karte von Brasilien: Der Cerrado nimmt die Mitte des Landes ein, rund ein Viertel der Fläche (KI-generiert)

Warum heißt der Cerrado „umgekehrter Wald“?

Weil die Pflanzen in dieser herausfordernden Umgebung gezwungen sind, tiefe Wurzeln zu schlagen, wird der Cerrado auch als „umgekehrter Wald“ bezeichnet.1 Während es auf der Oberfläche durch vereinzelte Gräser und knorrige Bäume eher kahl und licht wirkt, passiert die wahre Magie unter der Erde. Dort gehen die Wurzeln mindestens 18 Meter tief, um auch in der Trockenzeit noch an wertvolles Wasser zu kommen.4 Viele und tiefe Wurzeln sichern also das Überleben. Dadurch entsteht unter der Erde ein faszinierendes Geflecht, das den umgekehrten Wald begründet. Die Tiefe von 18 Meter entspricht dabei übrigens der Höhe eines sechsstöckigen Hauses, nur eben unter der Erde. Ziemlich tief. Gespeist werden dabei vom Cerrado 8 der 12 großen brasilianischen Wassereinzugsgebiete, also Gebiete, aus denen große Flüsse ihr Wasser sammeln.5 Mitten in dieser Landschaft findet man auch den Baruzeiro-Baum, also den Ursprung unserer Baru-Nuss.

Illustration: Querschnitt durch den Cerrado, oben lichte Savanne mit Gräsern, Sträuchern und Bäumen, unter der Erde Wurzeln, die mindestens 18 Meter tief reichen (KI-generiert)
Pflanzen im Cerrado reichen mit ihren Wurzeln mindestens 18 Meter tief, um selbst in der Trockenzeit noch Wasser zu finden (Quelle: Rawitscher 1948, zitiert in Oliveira et al., Functional Ecology 2005).

Welche Rolle spielt der Baru-Baum im Cerrado?

Der Baruzeiro-Baum, botanisch Dipteryx alata genannt, ist ein etwa 15 Meter hoher Baum, der während der Regenzeit blüht und dessen Früchte dann später an einem so gut wie kahlen Baum reifen.6 Seine Wurzeln gehen eine Symbiose mit Pilzen im Boden ein, die ihm helfen, genug Wasser und Phosphor aufzunehmen.7 Um die Nüsse genießen zu können, ist einiges an Geduld gefragt. Der Baum trägt erst nach sechs Jahren und dann nur alle zwei Jahre eine reiche Ernte.8,9 Da die Früchte während der Trockenzeit reifen, wenn sonst so gut wie nichts anderes mehr Früchte trägt, halten Forscher der Embrapa (staatliches brasilianisches Agrarforschungsinstitut) den Baruzeiro für eine mögliche Schlüsselart, sprich eine Art, von der sowohl andere Pflanzen als auch Tiere abhängig sind.6

Ein Baru-Baum mit breiter grüner Krone im Cerrado, an den Zweigen braune Früchte (KI-generiert)

Die Frucht selber besteht aus einer harten, holzigen Schale, dem Fruchtfleisch und dem Samen, den wir als Nuss essen. Meist ist nur ein einziger Samen enthalten, der auch nur etwa 5 % der Frucht ausmacht.6,8 Ziemlich besonders also, und das schmeckt man auch. Die Samen werden traditionell geröstet gegessen und sind Bestandteil vieler traditioneller Gerichte vor Ort.6,9 In Brasilien wird auch das Fruchtfleisch gegessen, oft aber als Futter für die Tiere verwendet.6,10 Derzeit hat dies noch keine Zulassung in der EU als Lebensmittel.11

Bestäubt werden die Blüten des Baruzeiros, auch baru, cumbaru oder cumaru genannt, vor allem durch Holzbienen.10 Fledermäuse, Agutis und andere kleine Tiere helfen ebenfalls dadurch mit, dass sie die Früchte weitertragen.6,10 Nach der Überlieferung der Xavante gilt der Baru-Baum als „Baum der Stärke“ – aber zu den vielen spannenden Legenden rund um den Cerrado, den Baruzeiro und die Baru-Nuss kommt zu einem späteren Zeitpunkt noch ein eigener Artikel. Der Baruzeiro ist damit fest verbunden mit dem Leben im Cerrado – jedoch ist dieser Lebensraum bedroht.

Ist der Cerrado bedroht?

2025 wurden im Cerrado nach Schätzung des brasilianischen Weltraumforschungsinstituts INPE 7.235 km² natürliche Vegetation gerodet.12 Das ist in etwa achtmal die Fläche Berlins. Dazu kommt Feuer, das im Mehrjahresdurchschnitt rund 9,6 Millionen Hektar Savanne betrifft.13 Das ist eine Fläche, die größer ist als ganz Bayern. Der Hotspot Cerrado ist also bedroht und das, obwohl er Heimat von vielen einzigartigen Pflanzenarten ist. Seit 1985 hat er laut MapBiomas 28 % seiner natürlichen Vegetation verloren.14 Treiber sind unter anderem der Anbau von Soja und die Nutzung als Weideland.14 Nach dem brasilianischen Waldgesetz müssen Betriebe außerhalb Amazoniens im Cerrado nur 20 % ihrer Fläche als Schutzreserve erhalten, in den Wäldern Amazoniens sind es 80 %.15

Was hat Wildsammlung mit dem Cerrado zu tun?

Wenn du dir jetzt auch denkst „Ja, das ist furchtbar, aber was hat das mit der Nuss zu tun?“, dann kommt hier die Antwort. Unsere Baru-Nüsse stammen aus Wildsammlung, was bedeutet, dass die Früchte von wild wachsenden Bäumen kommen. Keine Plantagen, kein industrieller Anbau.16 Gesammelt werden auch ausschließlich die heruntergefallenen Früchte, die Bäume selber bleiben dabei unberührt.16 Genannt wird das übrigens Extraktivismus: Menschen leben vom Sammeln, nicht vom Roden. Der Ertrag aus der Ernte macht den stehenden Baum wirtschaftlich wertvoller als eine gerodete Fläche.17 Extraktivismus wie unserer gibt dem Cerrado also einen Grund, stehen zu bleiben. Dazu kommen die Menschen, die hinter unseren gerösteten Nüssen stehen: Geerntet wird von einer Kooperative aus mehr als 5.800 Familien vor Ort.16

Geröstete Baru-Nüsse von KAMA MUTA auf dunklem Schiefer, eine davon ohne Haut (KI-generiert)

Häufige Fragen zum Cerrado

Ist der Cerrado ein Regenwald?

Nein, der Cerrado ist eine Savanne, also eine offene, lichte Landschaft mit Gräsern, Sträuchern und den typischen knorrigen Bäumen.

Kann man Baru auch anbauen?

Die Kultivierungsforschung dazu steht noch am Anfang. Bis hier ein echter Fortschritt entsteht, kommen unsere Nüsse aus der Wildsammlung.

Wann werden Baru-Früchte gesammelt?

Geerntet wird in der Trockenzeit. Denn: der Baum bleibt unberührt und es wird nur gesammelt, was schon auf den Boden gefallen ist.

Woher genau kommen die Baru-Nüsse von KAMA MUTA?

Die Baru-Nüsse von KAMA MUTA kommen aus Wildsammlung und werden von einer Kooperative vor Ort aus über 5.800 Familien geerntet und geröstet.

Fazit

Zusammengefasst ist der Cerrado also eine Savanne im Herzen Brasiliens und die einzige Savanne unter den Hotspots (viele einzigartige Pflanzen, aber bedroht) der Erde. Gleichzeitig ist dieser umgekehrte Wald die Heimat des Baruzeiro-Baumes. Hier wird also die Baru-Nuss geerntet und durch den Extraktivismus wie den unseren gibt das dem Cerrado einen Grund, stehen zu bleiben.

Wenn du jetzt genauso Lust auf eine Baru-Nuss hast wie ich, dann schau dich doch einmal bei unseren gerösteten Baru-Nüssen um.

Falls du noch mehr erfahren willst, dann lies doch gern mehr über die Baru-Nuss.

Lust auf Baru-Nüsse?

Zu den Baru-Nüssen

Woher wir das wissen

  1. Biogeosciences 23, 95 (2026): A new tropical savanna PFT, variable root growth and fire improve Cerrado vegetation dynamics simulations in a Dynamic Global Vegetation Model. bg.copernicus.org
  2. Conserving Biogeography: Habitat Loss and Vicariant Patterns in Endemic Squamates of the Cerrado Hotspot. PubMed Central (PMC4529144). pmc.ncbi.nlm.nih.gov
  3. Conservation International: Biodiversity Hotspots. conservation.org
  4. Oliveira et al. (2005): Deep root function in soil water dynamics in cerrado savannas of central Brazil. Functional Ecology 19 (mit Bezug auf Rawitscher 1948). woodwellclimate.org
  5. Embrapa Cerrados: 50 Jahre Embrapa Cerrados, Präsentation in der brasilianischen Abgeordnetenkammer, 09.09.2025. camara.leg.br
  6. Sano, Ribeiro, Brito (2004): Baru: biologia e uso. Embrapa Cerrados, Documentos 116. infoteca.cnptia.embrapa.br
  7. Arbuscular mycorrhizal fungi promote the growth of Dipteryx alata Vogel. Brazilian Journal of Biology (2023). scielo.br
  8. Sano (2016): Critérios de Seleção de Baru para Produção de Amêndoas e Recomposição Ambiental. Embrapa Cerrados, Circular Técnica 31. infoteca.cnptia.embrapa.br
  9. EFSA (2025): Technical Report on the notification of roasted seeds of Dipteryx alata Vogel (baru) as a traditional food from a third country. EFSA Supporting Publications EN-9234. doi.org
  10. Sano, Brito, Ribeiro: Dipteryx alata, Baru. In: Plantas para o Futuro, Região Centro-Oeste. Embrapa. alice.cnptia.embrapa.br
  11. Unionsliste der zugelassenen neuartigen Lebensmittel der EU. food.ec.europa.eu
  12. INPE/BiomasBR: Dados do PRODES apontam redução no desmatamento na Amazônia e no Cerrado brasileiros. data.inpe.br
  13. MapBiomas: Monitor do Fogo, Jahresbericht Feuer 2025 (berichtet von Correio Braziliense, Juli 2026). correiobraziliense.com.br
  14. MapBiomas (01.10.2025): Um em cada quatro municípios do Cerrado tem menos de 20% de vegetação nativa. brasil.mapbiomas.org
  15. Brasilianisches Waldgesetz (Código Florestal), Lei 12.651/2012, Art. 12. planalto.gov.br
  16. KAMA MUTA: Angaben unseres Lieferanten zu Herkunft, Ernte und Kooperative (nicht öffentlich).
  17. Arakaki et al. (2009): O baru (Dipteryx alata Vog.) como alternativa de sustentabilidade em área de fragmento florestal do Cerrado. Interações 10(1).

Alle Links abgerufen im Oktober 2026.